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Dialog mit der Maschine

Ein Bild entsteht hier nicht aus einer Entscheidung, sondern aus einem Gespräch


Projektfrage

Was entsteht, wenn künstlerische Entscheidungen nicht allein getroffen werden, sondern im fortlaufenden Austausch mit maschinellen Vorschlägen entstehen?


Kontext & Vorgehen

Das Kunstprojekt Dialog mit der Maschine untersucht den künstlerischen Prozess nicht als lineare Abfolge von Entscheidungen, sondern als Wechselspiel. Die Maschine erzeugt Vorschläge, Variationen und Abweichungen – ich reagiere, verwerfe, wähle aus. Autorschaft entsteht hier im Dazwischen.

Meine Fotografie trifft auf zwei Maschinen: eine, die spricht, und eine, die sieht. Ich gebe den Ausgangsimpuls, aber ich gestalte nicht unmittelbar. Stattdessen lasse ich zu, dass Technik antwortet, interpretiert und Vorschläge macht. Meine Rolle ist die der Auswahl – nicht die der Kontrolle.

Die Maschine beschreibt mein Bild. Aus dieser Beschreibung entstehen Wege, die wiederum zu neuen Bildern führen. Aus dem Hin- und Her zwischen Mensch und System entwickelt sich eine Spur: vom Originalfoto über die maschinische Wahrnehmung bis hin zu neuen visuellen Interpretationen.

Im Sinne der generativen Fotografie – wie sie etwa von Gottfried Jäger gedacht wurde – wird Technik hier nicht als Werkzeug verstanden, sondern als Mitspieler. Kunst entsteht nicht als Abbild, sondern als Prozess zwischen Konzept und Zufall, zwischen Fotografie und Algorithmus.
Dieses Projekt habe ich in zwei Phasen aufgebaut.


Phase 1 – Der maschinische Dialog

Ausgangspunkt sind eigene Fotografien.
Eine visuelle KI beschreibt das Bild zunächst rein formal, ohne Kontext oder Deutung. Diese Beschreibung wird zum Ausgangspunkt für vier mögliche Entwicklungsrichtungen:

Material – Struktur und Oberfläche
Bewegung – Dynamik und Zeitlichkeit
Licht – Stimmung und Intensität
Raum – Architektur und System

Über mehrere Iterationen entstehen Bildserien, in denen die Maschine zunehmend autonom arbeitet. Meine Rolle besteht darin, zu moderieren, auszuwählen und zu kuratieren, ohne selbst direkt zu gestalten.

Die sichtbare Entwicklung umfasst:

Das ursprüngliche Foto,
die maschinische Beschreibung,
verschiedene Entwicklungswege,
finale Interpretationen der Maschine.

Hier wird Autorschaft zu einem Prozess der Entscheidung.


Phase 2 – Intervention / Hybridisierung

In der zweiten Phase trete ich bewusst wieder in den Dialog ein.
Ich akzeptiere die maschinische Handschrift, lasse sie aber nicht unangetastet. Stattdessen bringe ich meine eigene Bildsprache – den Leopoldi-Style und meine eigenen Geschichten in ausgewählte Arbeiten ein.

Aus jedem der vier Entwicklungswege wird ein Schlüsselbild gewählt. Diese Bilder bilden die Grundlage für meine Eingriffe und Transformationen:

Aus einer autonomen Bildproduktion entsteht ein Hybrid – ein geteiltes Werk zwischen menschlicher Handschrift und maschinischer Entwicklung.


Bilder 

Kleine Auswahl der entwickelten Bilder: Mit Klick in ein Bild werden alle Bilder in Originalgröße angezeigt.


Mitmachen / Weiterführen

Auch dieses Projekt kann als offener Arbeitsprozess weitergeführt werden.
Die verwendeten Prompts sowie eine kurze Beschreibung der Arbeitsweise stehen als Ausgangspunkt für eigene Experimente zur Verfügung.

Dabei geht es nicht darum, identische Ergebnisse zu reproduzieren, sondern eigene Dialoge mit KI-Systemen zu entwickeln und Entscheidungen sichtbar zu machen.

Hinweise & Prompts 


Schulischer Kontext

Beide KI-Projekte können auch als Dialogräume verstanden werden, in denen Schülerinnen und Schüler eigene Erfahrungen mit generativen Prozessen machen können.
Sie ermöglichen einen Einstieg in generative Entwicklungsprozesse, der nicht auf Technikvermittlung reduziert bleibt, sondern Fragen von Autorschaft, Wahrnehmung und künstlerischer Entscheidung sichtbar macht.
Der Fokus liegt dabei weniger auf richtigen Ergebnissen als auf dem gemeinsamen Erproben und Reflektieren eines dialogischen Arbeitsprozesses.


Publikation

Eine ausführliche Auseinandersetzung mit diesem Projekt – inklusive Bildmaterial, Kontext und weiterführender Texte – ist auch für dieses Projekt in Buchform erschienen.

 Zur Publikation🔗

Das Projekt markiert keinen Abschluss, sondern einen Zwischenstand in einer potenziell veränderten Bildentwicklungsreihe.

 

INHALT